Glossar

Kennzahlen

ABSCHREIBUNGSQUOTE

(engl. depreciation rate) stellt die prozentuale Höhe der Abschreibungen bezogen auf das Anlagevermögen dar und lässt so auf die durchschnittliche Nutzungsdauer der Anlagen schließen.

ANLAGENDECKUNGSGRAD

(engl. equity/assets ratio) zeigt, inwieweit das Anlagevermögen durch das Eigenkapital (Deckungsgrad I) oder durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital (Deckungsgrad II) gedeckt ist. Hier gilt: Langfristiges Vermögen soll langfristig finanziert werden (goldene Bilanzregel).

CASH-FLOW-UMSATZRENDITE

(engl. operating cash flow ratio) gibt die Ertrags- und Finanzierungskraft eines Unternehmens wieder und lässt erkennen, wie viel Prozent des Umsatzes für Investitionen, Gewinnausschüttung oder Kredittilgung zur Verfügung stehen.

DSO - DAYS SALES OUTSTANDING

(engl. days sales outstanding) ist ein Mittelwert, der die Anzahl von Tagen angibt, die vom Zeitpunkt der Rechnungsstellung bis zum Zahlungseingang vergehen. Sie ist die Umschlagsdauer der Forderungen bzw. Verbindlichkeiten und gibt Auskunft über die Effektivität des Mahnwesens bzw. des Debitorenmanagements einer Firma.

EBIT

(engl. earnings before interest and taxes) zeigt die operative Ertragskraft eines Unternehmens unabhängig von dessen Kapitalstruktur.

EIGENKAPITALQUOTE

(engl. equity ratio) drückt den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital aus. Grundsätzlich gilt, je höher die Eigenkapitalquote, desto höher die finanzielle Unabhängigkeit gegenüber Fremdkapitalgebern.

EIGENKAPITALRENTABILITÄT

(engl. return on equity, ROE) dokumentiert, wie hoch sich das investierte Kapital verzinst hat und ergibt sich aus dem Verhältnis von Gewinn (Jahresüberschuss) zum Eigenkapital.

FREE CASH-FLOW

Berechnet sich aus Operativem Cash-Flow minus Cash-Flow aus Investitionstätigkeit und gibt an, wie viel Geld für Dividenden oder eine fällige Rückführung der Fremdfinanzierung verbleibt.

GESAMTKAPITALRENTABILITÄT

(engl. return on assets) drückt die Verzinsung des gesamten Kapitaleinsatzes aus. Betrachtet wird hier die Effizienz des gesamten eingesetzten Kapitals, unabhängig von der Finanzierung.

KAPITALBINDUNG

(engl. capital lock-up) zeigt den Anteil am Umsatz der zur Tilgung von kurzfristigen Verbindlichkeiten benötigt wird. Parallel zum Umfang der Kapitalbindung ist auch die Zeitspanne, in der das Kapital gebunden ist, interessant.

LIQUIDITÄT DRITTEN GRADES

(engl. current ratio) setzt die kurzfristigen Verbindlichkeiten mit liquiden Mitteln, kurzfristigen Forderungen und Vorräten in ein Verhältnis. Ein Ergebnis unter 100% würde bedeuten, dass ein Teil des langfristigen Anlagevermögens kurzfristig finanziert worden wäre. Dieser Fall würde einen Verstoß gegen die goldene Bilanzregel darstellen.

NETTOFINANZVERBINDLICHKEITEN

(engl. net financial liabilities) errechnen sich aus der Summe aller verzinslichen Verbindlichkeiten abzüglich der flüssigen Mittel sowie der Wertpapiere des Anlage- und Umlaufvermögens (verzinsliches Vermögen).

ROHERTRAGSMARGE

(engl. gross margin) ist eine Kennziffer zur Beurteilung, wie kosteneffizient ein Unternehmen produziert. Sie betrifft den prozentualen Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der Herstellkosten übrig bleibt.

SCHULDENDECKUNGSGRAD

(engl. debt coverage ratio) offenbart die Möglichkeiten eines Unternehmens, seine Schulden über die operativen Cash-Flows zu begleichen.

UMSATZRENDITE

(engl. profit margin) ist der prozentuale Anteil des Gewinns am Umsatz und gibt damit an, wie profitabel ein Unternehmen in einer Rechnungsperiode ist.

VERSCHULDUNGSGRAD

(engl. debt/equity ratio) zeigt die Relation zwischen Eigenkapital und Fremdkapital und gibt Auskunft über die Kapitalstruktur des Unternehmens. Grundsätzlich kann man sagen, dass das Verhältnis zwischen FK und EK nicht höher als 2:1 sein sollte.

ZINSDECKUNGSGRAD

(engl. interest coverage ratio) gibt das Verhältnis von Kreditzinsen zu Free Cash-Flow wieder und somit an, ob, und inwieweit Kreditzinsen durch Free Cash-Flow gedeckt werden können.

 

Finanzierungsinstrumente

ATYPISCHE STILLE BETEILIGUNG

Bei dieser Variante ist der stille Gesellschafter prozentual am ausgewiesenen Gewinn bzw. Verlust des Unternehmens beteiligt, am Verlust jedoch nur maximal mit seiner Einlage. Zusätzlich profitiert er im Falle der Hebung von Reserven und einer Steigerung des Geschäftswertes. Seine Beteiligung am Gesellschaftsvermögen ähnelt sehr stark derjenigen eines OHG-Gesellschafters. Es werden Gesellschafterkonten eingerichtet, wie sie bei Handelsgesellschaften üblich sind. Neben einer Mitbestimmungsmöglichkeit innerhalb eines festen Rahmens stehen dem Gesellschafter Kontroll- und Informationsrechte zu, die über den gesetzlichen Regelfall hinausgehen. Für den Todesfall kann zwischen unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten gewählt werden. Bei Auflösung der Gesellschaft erhält der stille Gesellschafter ein Auseinandersetzungsguthaben, das sich von dem eines OHG-Gesellschafters nicht unterscheidet. Die stille Gesellschaft ist einfach und flexibel handhabbar, es liegen seitens des Gesetzgebers keine speziellen Formvorschriften vor. Bei einer AG muss allerdings die Zustimmung der Hauptversammlung eingeholt und die Stille Gesellschaft im Handelsregister angemeldet werden. Der stille Gesellschafter lässt sich im Gesellschaftsvertrag in der Regel Kontrollrechte, wie etwa die Einsicht in die Bücher, einräumen. Wie weit die Kontrolle oder Mitsprache geht, hängt allerdings von einzelvertraglichen Regelungen ab.

AUFTRAGSFINANZIERUNG

Bei der Auftragsfinanzierung handelt es sich um ein neu entwickeltes Finanzierungsinstrument zur Finanzierung des betrieblichen Working Capital mittelständischer Unternehmen. Auftragsfinanzierung bedeutet dabei die Übernahme des Produkteinkaufs durch ein Institut. Der Kunde sucht sich seine gewünschten Produkte/Waren aus und spricht die Konditionen mit den Lieferanten ab. Dann bestellt das Institut das vom Kunden ausgesuchte Produkt und veräußert es unter Gewährung eines Lieferantenkredites an den Kunden weiter. Durch die sofortige Bezahlung des Lieferanten seitens des Instituts wird die Inanspruchnahme eines Skontos ermöglicht. Dem zu finanzierenden Unternehmen räumt das Institut hingegen einen Lieferantenkredit ein, welcher eine flexible Rückzahlungsmöglichkeit innerhalb mehrerer Monate beinhaltet.

BILANZEXTERNE FINANZIERUNG

Die bilanzexterne Finanzierung (engl.: Off Balance Sheet Financing) ist ein Begriff aus dem Finanz- und Rechnungswesen, der eine bilanzneutrale Finanzierung bezeichnet; dabei taucht ein Wert also nicht in der Bilanz auf. Hierzu werden möglichst viele Verbindlichkeiten und diesen entsprechende Vermögenswerte aus der Bilanz eliminiert. Beliebte Formen sind Leasing und Sale-and-Lease-back. Hier fallen sowohl Anlagevermögen als auch entsprechende Schulden aus der Bilanz. In der Folge sind Schlüsse auf reale Ausprägungen einzelner Bilanzposten nur beschränkt möglich, was Externen die Analyse des Unternehmens erschwert. Somit profitiert das Unternehmen von der Intransparenz nach außen.

BORROWING BASE

Bei einer Borrowing Base-Finanzierung wird mit dem Unternehmen eine Kreditlinie vereinbart, die je nach aktuellem Wert der zu finanzierenden Waren und Forderungen genutzt werden kann. Dadurch sichert sich das Unternehmen einen Betriebsmittelkredit, der flexibel den Commodity-Preisentwicklungen folgt. Mit diesem an die Bedürfnisse eines Handelsunternehmens angepassten Finanzierungskonzept schaffen Sie sich auf lange Sicht eine stabile Liquiditätsgrundlage. Die Borrowing Base beruht auf einer engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bank. Viele Unternehmen nutzen das regelmäßige Reporting über die Werthaltigkeit der Sicherheiten, so genannte Base Reports, als externes Controllinginstrument.

FACTORING

Factoring bezeichnet den kontinuierlichen Ankauf von kurzfristigen Geldforderungen aus Warenverkäufen und Dienstleistungen. Dabei tritt ein Unternehmen (auch: Factoring-Kunde, Zedent, Anschlusskunde, Anschlussfirma) seine kurzfristigen Forderungen gegen seine Schuldner (auch: Abnehmer, Kunden, Drittschuldner, Debitoren) an ein anderes Unternehmen (auch: Factoring-Institut, Factor, Zessionar, Factoring-Gesellschaft oder Factoring-Unternehmen) ab, das die Forderungen selbst beim Schuldner eintreibt. Beim Factoring handelt es sich daher um ein Kaufgeschäft und nicht, wie oftmals fälschlicherweise angenommen, um ein Kreditgeschäft. Das Factoring-Institut übernimmt die Außenstände des Auftraggebers, indem es mit dem Factoring-Kunden einen Vertrag darüber abschließt. Darin verpflichtet sich der Factoring-Kunde, seine Forderungen an das Factoring-Institut zu verkaufen und ihm zu übertragen. Im Gegenzug verpflichtet sich das Factoring-Institut, dem Factoring-Kunden die Forderungen abzukaufen und zu begleichen. Der Vertrag regelt entweder die Übernahme aller Forderungen oder lediglich der Forderungen gegenüber einer fest definierten Abnehmergruppe. Normalerweise entstehen die betreffenden Forderungen erst nach Vertragsschluss. Allerdings können auch bereits bestehende Forderungen abgetreten werden.

FORFAITIERUNG

„A forfait“ kommt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt: in Bausch und Bogen. In der Finanzwirtschaft bezeichnet Forfaitierung einen regresslosen Verkauf von gewöhnlich mittel- und langfristigen Forderungen, vorwiegend Exportforderungen gegen einen Importeur, die zu einem späteren Zeitpunkt fällig werden, an einen Forfaiteur. Im Gegensatz zum Factoring, bei dem eine laufende Veräußerung zahlreicher, meist kleiner Forderungen stattfindet, sind die Forderungen bei der Forfaitierung von sehr hohem Wert. Da lediglich Geldzuflüsse beschleunigt werden, stellt Forfaitierung eine Form der Innenfinanzierung dar. Forfaitierung ermöglicht dem Exporteur also die Refinanzierung eines gewährten Lieferantenkredits. Dabei übernimmt der Forfaiteur die mit der Rückzahlung verbundenen Risiken. Da es sich bei den Forderungen hauptsächlich um Exportforderungen handelt, dient das Instrument hauptsächlich der Außenhandelsfinanzierung. Damit eine Forderung vom Markt auch angenommen wird, muss sie mit entsprechenden Forfaitierungssicherungsinstrumenten wie Wechsel, Akkreditiv, Bankgarantie oder Exportversicherung besichert sein. Als Forfaiteur treten in der Regel international arbeitende Banken, ihnen nahestehende oder von ihnen kontrollierte Spezialinstitute oder Finanzierungsgesellschaften auf, teilweise aber auch unabhängige Finanzfirmen und –makler.

GENUSSSCHEINDARLEHEN

Ein Genussrecht verbrieft Vermögens-, nicht aber Mitgliedschaftsrechte an einem Unternehmen und kann weder eindeutig dem Fremd- noch dem Eigenkapital zugeordnet werden. Der Genussschein verbrieft in der Regel den Anspruch auf einen Anteil am Reingewinn, am Liquidationserlös oder auf den Bezug neuer Genussscheine und ggf. Aktien. Wesentliches Merkmal von Genussrechten ist die mögliche Verlustbeteiligung. Diese Verlustbeteiligung dient gleichzeitig als Abgrenzungskriterium zu anderen Beteiligungsformen, beispielsweise einem partiarischen Darlehen. Die Vorschriften zur Verlustbeteiligung regeln, wie ein etwaiger Jahresfehlbetrag/Bilanzverlust von dem Genusskapital zu tragen ist. Sofern das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag/Bilanzverlust in einem Geschäftsjahr erwirtschaftet, kann – und muss im Zweifel – dieser Verlust auch von dem Genusskapital getragen werden. Hierzu wird in der GuV ein außerordentlicher Ertrag aus der Verlustübernahme gebildet, dessen Höhe von den Einzelheiten der Genussrechtsbeteiligung abhängt. Der so ermittelte Verlustanteil wird von dem in der Bilanz ausgewiesenen Genusskapital abgezogen. Sofern in den Folgejahren positive Jahresergebnisse erwirtschaftet werden, sind diese regelmäßig zunächst zur Wiederauffüllung des Verlustanteils zu verwenden. In Abhängigkeit davon, ob eine Verlustbeteiligung durch den stillen Gesellschafter ausgeschlossen ist oder nicht, wird die stille Beteiligung bei der Kennzahlenermittlung als Fremdkapital (ohne Verlustbeteiligung) oder Eigenkapital (mit Verlustbeteiligung) interpretiert. Die Rangrücktrittserklärung ist bei der als Eigenkapital anzusehenden Stillen Beteiligung eine Bestätigung darüber, dass der Geldgeber im Rang hinter allen anderen Gläubigern zurücksteht, d.h. vor ihm werden beispielsweise im Insolvenzfall erst alle ranghöheren Forderungen bedient. Sofern nach einer Verlustbeteiligung die Gewinne der Folgejahre nicht ausreichen, um den von dem Genusskapital zu tragenden Verlustanteil auszugleichen/wiederaufzufüllen, bekommt der Anleger/Investor zum Ende der Laufzeit des Genussscheindarlehens bei Auszahlung nicht die volle Höhe seines zur Verfügung gestellten Kapitals zurück bzw. der Saldo des Genussscheindarlehens wird bei Auszahlung um den verbliebenen Verlustanteil gekürzt.

INDIVIDUELLES MEZZANINE

Mezzanine, eine flexible Finanzierungsform, steht bilanziell zwischen dem Eigenkapital und dem Fremdkapital. Es wird insbesondere in Form von Darlehen, Genussscheinen und stillen Beteiligungen vergeben. Durch seine Nachrangigkeit stärkt Mezzanine-Kapital gegenüber anderen Gläubigern die Eigenkapitalposition, und zwar ohne volle Gesellschafterrechte der Investoren. Mezzanine-Finanzierung eignet sich für Unternehmen mit hohen Wachstumszielen, die viel Geld benötigen und zugleich ihre Eigenkapitalstruktur nicht verwässern wollen. Die Mindestbeträge liegen häufig bei 2,5 bis 5 Millionen, vereinzelt bei 250.000 bis 500.000 Euro. Die Investoren – in der Regel Private-Equity-Gesellschaften und Banken – setzen bei der Vergabe auf den künftigen Unternehmenserfolg und weniger auf Sicherheiten oder Bürgschaften. Zielgruppen solcher Investoren sind vor allem Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf. Mezzanine-Finanzierungen gehen häufig einher mit Management-Buy-Outs und Expansionsfinanzierungen, der Erweiterung der Produktionskapazitäten, der Erschließung neuer Märkte oder der Entwicklung neuer Produkte. Diese Finanzierungsform lohnt sich nur für Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial und sehr guter Eigenkapitalrendite, da mit einem Zinssatz von 15 bis 20 Prozent pro Jahr gerechnet werden muss. Im Vergleich zu „echtem Eigenkapital“ ist die Kapitalüberlassung zeitlich befristet. Dafür verzichten die Kapitalgeber auf Mitsprache im operativen Geschäft. Ihre Mezzanine-Forderungen gelten im Falle einer Insolvenz gegenüber sonstigen Bankverbindlichkeiten und Krediten als nachrangig, was den Unternehmen Raum für weitere Finanzierungen lässt. Investitionskriterium ist ein stabiler Cash-flow in den Folgejahren, der Zinszahlungen bzw. Kapitalrückführungen zulässt. Daher schreiben die Kapitalgeber im Vertrag in der Regel konkrete Bilanzzielgrößen und Bilanzrelationen fest. Im Zuge der Zielerfüllung kann dadurch die unternehmerische Freiheit eingeschränkt werden, obgleich auf die direkte Mitsprache im operativen Geschäft verzichtet wird. Mezzanine-Produkte sollten prinzipiell immer genau auf ihre Vor- und Nachteile für die Unternehmensentwicklung überprüft werden. Die Inanspruchnahme von Corporate Finance Advisory Services macht hier Sinn.

INNENFINANZIERUNG

Bei der Innenfinanzierung erfolgt keine Zuführung von Eigen- oder Fremdkapital von außen, sondern bisher gebundenes Kapital wird zur Optimierung der Kapitalstruktur in frei verfügbare liquide Mittel umgewandelt. Eine Möglichkeit der Innenfinanzierung ist das sogenannte „Cash-Management“ oder Liquiditätsmanagement. Hierbei werden täglich sämtliche Konten geräumt und auf ein zentrales Konto umgebucht. Einer gewissen Abhängigkeit von der zentralen Liquiditätsversorgung steht dabei eine optimale Ausnutzung der liquiden Mittel gegenüber. Wer lieber sein Geld für sich arbeiten lässt, für den ist „Working Capital“-Optimierung das Richtige: Gelder werden möglichst lange einbehalten, um damit Renditen zu erwirtschaften. Mit Kunden werden Vorauszahlungen oder sehr kurze Zahlungsziele vereinbart; mit den Lieferanten einigt man sich dagegen auf möglichst lange Zahlungsziele. So entsteht ein gewisser Puffer, in dem die Gelder erst einmal im Unternehmen verbleiben. Hilfreich ist jedoch auch eine straffere Organisation des Mahnwesens. Außerdem bietet sich die Bildung von Rückstellungen an. Rückstellungen sind dem Fremdkapital zugeordnet, wobei die daran geknüpften Forderungen gegen das Unternehmen erst zu einem späteren Zeitpunkt fällig sind. Da Rückstellungen Aufwendungen sind, ergeben sich steuerliche Vorteile. Der Innenfinanzierungseffekt entsteht dadurch, dass durch die Bildung der Rückstellung weniger Steuern zu zahlen sind und somit Mittel frei werden. Bei der Finanzierung durch Abschreibungen verrechnen Unternehmen die Abschreibungsbeträge für die produktionsbedingten Wertminderungen an ihren Produktionsanlagen so, dass sie in gleicher Höhe über die Verrechnung der Abschreibung mit den zu versteuernden Umsatzerlösen faktisch wieder ins Unternehmen zurückfließen (verdiente Abschreibungen). Dadurch tritt ein Kapitalfreisetzungs-Effekt mit Finanzierungswirkung ein.

KREDITFINANZIERUNG

Der Begriff Kredit, lat. credere „glauben“ und creditum „das auf Treu und Glauben Anvertraute“, bezeichnet die Gebrauchsüberlassung von Geld – also von Banknoten, Münzen und Giralgeld – oder vertretbarer Sachen (Warenkredit) auf Zeit. Darlehensverträge, Abzahlungskäufe, Stundungen und Wechsel stellen typische Beispiele für Kredite dar. Am Ende der Laufzeit gewährt der Kreditnehmer die geliehene Ware zurück. Bei Geldkrediten ist dies der Nennbetrag der kreditierten Geldsumme, bei Warenkrediten die identische Ware. Meist ist ein Kredit entgeltlich, d.h. es sind zusätzlich Zinsen zu zahlen und er wird von einer Bank ausgegeben. Daneben bedeutet „bei jemandem einen Kredit haben“ auch „etwas guthaben“ im Sinne von Vertrauen genießen; man ist also zahlungsfähig und somit kreditwürdig. Diese wirtschaftliche Wertschätzung umfasst auch die Geschäftsehre. Gefährdet jemand den Kredit eines anderen durch die Behauptung von falschen Tatsachen, haftet er für den daraus entstehenden Schaden.

LEASING

Leasingverträge haben ähnlichen Charakter wie Mietverträge. Von der Miete unterscheidet sich Leasing allerdings durch die Umwälzung von mietvertraglich geschuldeten Wartungs- und Instandsetzungsleistungen bzw. des Gewährleistungsanspruchs auf den Leasingnehmer. Im Gegenzug tritt der Leasinggeber, zumindest bei der Vollamortisation, Kaufrechte und Finanzierungsfunktion an den Leasingnehmer ab. Dafür trägt der Leasingnehmer die Sach- und Preisgefahr. Leasingverträge sind somit „atypische“ Mietverträge. Daher ist der Begriff Mietkauf als Synonym für Leasing üblich, obwohl beim eigentlichen Mietkauf auch das Eigentum auf den Käufer übergeht. Nach Ende des Leasingvertrages geht das Leasinggut an den Leasinggeber zurück oder wird an den Leasingnehmer oder einen Dritten veräußert. Die Klientel von Leasingfirmen besteht hauptsächlich aus Gewerbetreibenden. Eine Ausdehnung auf Privatkunden ist jedoch zu beobachten – besonders im Bereich des Absatzleasings (hauptsächlich KFZ-Leasing). Man unterscheidet zwischen dem Finanzierungsleasing und dem Operative Leasing. Letzteres beinhaltet nur die Leasinggebühr, während Finanzierungsleasing zusätzlich eine Kaufoption gewährt. Leasing ist allerdings auch steuerlich interessant, denn Leasingkosten können als Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

NACHRANGIGES DARLEHEN

Das nachrangige Darlehen gleicht seiner Art nach am ehesten der klassischen Fremdfinanzierung durch Kredit. Im Insolvenzfall werden die Darlehensgläubiger grundsätzlich in der Reihenfolge des Rangs ihrer Forderungen aus der Insolvenzmasse bedient. Bei nachrangigen Darlehen steigt deshalb im Insolvenzfall das Ausfallrisiko. Da dessen Besicherung zudem gering ist, erhebt der Darlehensgeber im Allgemeinen einen Zinssatz oberhalb demjenigen von vorrangig besicherten Krediten. Neben einem festen Zinssatz ist auch ein sogenannter Equity Kicker in Form einer variablen, gewinnabhängigen Komponente möglich. Sowohl bei dieser Variante als auch bei der Festverzinsung ist eine Verlustbeteiligung über die Höhe des gewährten Darlehens hinaus ausgeschlossen. Der maximale Verlust ist also der Wert des gesamten Darlehens. In der Bilanz werden nachrangige Darlehen als Fremdkapital ausgewiesen. Dies reduziert die Eigenkapitalquote zwangsläufig. Bilanzanalytisch werden aber sowohl das nachrangige, als auch das partiarische Darlehen regelmäßig als wirtschaftliches Eigenkapital klassifiziert. Bei einem Rating führt die Aufnahme solcher Darlehen also zu dem gewünschten Effekt der Verbesserung der Eigenkapitalquote. Auch wenn die Eigentümerstruktur durch die Inanspruchnahme eines nachrangigen Darlehens nicht verwässert wird: Die Kapitalgeber fordern zwangsläufig detaillierte, zeitnahe Informationen über den geschäftlichen Verlauf, d.h. ein intensiver Informationsaustausch bleibt bestehen.

PROJEKTFINANZIERUNG

Projektfinanzierung bezeichnet die Finanzierung einer wirtschaftlich und zumeist rechtlich abgrenzbaren, sich selbst refinanzierenden Wirtschaftseinheit von begrenzter Lebensdauer und stellt den Gegenentwurf zum sogenannten Corporate-Credit-Rating-based-Financing dar. Die Finanzierungsmittel werden in Abhängigkeit von der erwarteten Projektwirtschaftlichkeit sui generis (Zug um Zug) bereit gestellt; also nicht in der klassischen Form der auf die Bonität des Bestellers gerichteten Auftragsfinanzierung oder einer projektbezogenen und direkt auf die Bonität der beteiligten Sponsoren abzielenden Finanzierung.

SCHULDSCHEINDARLEHEN

Schuldscheindarlehen sind neben Bankkrediten und Anleihen eine weitere Form der Fremdfinanzierung. Dabei wird einem Kreditnehmer, ohne dass dieser den organisierten Kapitalmarkt in Anspruch nehmen muss, durch große Kapitalsammelstellen als Kreditgeber ein Darlehen gewährt, dessen Bestehen der Schuldner durch Ausstellen eines Schuldscheins bestätigt. Dabei ist der Schuldschein jedoch weder ein verbrieftes Darlehen, noch eine Schuldverschreibung oder sonst ein Wertpapier. Er dient ausschließlich als Urkunde zur Beweissicherung und ist daher im Unterschied zur Anleihe nicht börsenfähig. Statt eines Schuldscheins genügt häufig auch lediglich der Darlehensvertrag als Beweisurkunde. Das Schuldscheindarlehen wird dann in der Regel wiederum (zusammen mit anderen Schuldscheindarlehen) im Rahmen eines strukturierten Sammel- und Verkaufsprozesses an andere Kapitalsammelstellen weiterveräußert (Abtretung).

STILLE BETEILIGUNG / GESELLSCHAFT

Die Stille Gesellschaft ist keine Rechtsform, die im Außenverhältnis des Unternehmens wirksam wird, denn sie ist lediglich eine Innengesellschaft. Der Verwendungszweck besteht ausschließlich in der Zuführung zusätzlichen Kapitals. Der Gesellschaftsvertrag, der auch formlos abgeschlossen werden kann, regelt Rechte und Pflichten der Gesellschafter sowie Höhe der Einlage, Dauer und Modalitäten für den Fall des Gewinns bzw. des Verlustes. In der Regel beteiligt sich ein Kapitalgeber an einem bestehenden Unternehmen mit einer Einlage, die in der Bilanz des Unternehmens unter bestimmten Umständen als Eigenkapital ausgewiesen werden kann. In der Geschäftsführung wird der Kapitalgeber allerdings nicht aktiv. Normalerweise erhält er eine reine Gewinnbeteiligung (typische Stille Beteiligung). Nach außen tritt der Kapitalgeber nicht in Erscheinung. Wichtig für die Einkommenssteuer: Die Einkünfte aus stillen Beteiligungen sind Einkünfte aus Kapitalvermögen, zumal der Kapitalgeber in der Regel laufende Zinszahlung auf die Eigenkapitaleinlage erhält, jedoch an Wertsteigerungen des Unternehmenswertes selbst nicht partizipiert. Typische Fälle der Stillen Gesellschaft sind Beteiligungen von Freunden und Familie, oder eine Variante der Mitarbeiterbeteiligung. Für die Gründung einer Stillen Gesellschaft ist keine besondere Rechtsform des Unternehmens notwendig.

UNTERNEHMENSANLEIHE

Unternehmensanleihen – auch „Corporates“ oder „Corporate Bonds“ genannt – sind Anleihen von deutschen oder internationalen Unternehmen. Gerade bei größeren Unternehmen ist diese Form der Kapitalbeschaffung zur Unternehmensfinanzierung beliebt und stellt eine echte Alternative zum klassischen Bankkredit dar. Im Gegensatz zu Pfandbriefen sind Unternehmensanleihen in der Regel nicht mit zusätzlichen Sicherheiten unterlegt. Daher ist die Bonität des emittierenden Unternehmens von entscheidender Bedeutung. Das Rating des Unternehmens bzw. von dessen Anleihen wirkt sich auf die Konditionen der noch zu begebenden Anleihen aus. Vereinfacht lässt sich festhalten: Ein schlechtes Rating impliziert höhere Zinsen und umgekehrt. Die Bonität der Unternehmen messen Ratingagenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch. Das Anleihen-Rating stellt für den Anleger sowohl vor als auch nach Erwerb der Anleihe die wichtigste Kennziffer dar.